9.3.2006

Informationsabend der Hamburger Unternehmensgruppe im Pittener Veranstaltungszentrum


200-250 Bürger und Bürgerinnen erschienen, ca. 40 Leute fanden keinen Platz im Saal.
Das Publikum war gut durchmischt, es kamen Gegner wie auch Befürworter der Anlage.

 

 

 Die Hamburger Gruppe war durch ihre lokale Geschäftsführung Ofenböck und Winkler verteten, die Herren Ganster, Bayerl, Luef aus der oberen Konzernetage und auch Thomas Prinzhorn waren nicht zugegen.

Das Konzept der Diskussion - eine dichte Powerpoint Präsentation, kam allerdings nach einer Stunde ins Wanken.

 

Die angekündigten Präsentationslängen wie auch die zugestandenen 5 Frage-Minuten für das Volk konnten im Gegensatz zur Informationsveranstaltung im Pittener Gemeinderat, die wenige Tage davor stattfand, wegen des Drucks der Zuschauer nicht gehalten werden.

Werksleiter Werner Ofenböck berichtete über den betriebswirtschaftlichen Aspekt, technischer Leiter Johann Winkler über den technischen, DI Wolfgang Felbermayer über die Einreichungsformalitäten.

Anm: Die umfassenden Präsentationen der Betreiber können Sie als PDF herunterladen indem Sie auf das entsprechende Bild des Redners klicken.

 

Drei Stunden später erzählte der bis dahin in einen dicken Parka verpackte medizinische Gutachter Dr. Claus Rhomberg des langen aus seiner Tiroler Vergangenheit und des breiten über Brixlegger Luftverhältnisse, was angesichts des Sauerstoffnotstands im überfüllten Pittener Veranstaltungszentrum die Nerven der Zuschauer auf jenes blanke Eis legte, das draußen mit tiefen Minusgraden die Natur zum Erstarren brachte.

Konfrontiert mit harten Fakten antwortete der Sachverständige, heute nicht hier zu sein, um zur Situation Stellung zu nehmen sondern über sich zu erzählen. Das Publikum erlaubte sich schließlich höflich die Glaubwürdigkeit bzw. das unabhängige Urteilsvermögen der von der Hamburger Gruppe beigezogenen Gutachter in Frage zu stellen. Ein allgemeines Stimmungsbild kristallisierte sich heraus, das keine breite Akzeptanz der Bevölkerung erkennen ließ. So gab es nur einen einzigen Befürworter, der sich zu Wort meldete.

 

Bgm Günter Moraw (Pitten) wurde gefragt was sein Gemeinderatsbeschluß wert sei.

Er erklärte, daß der Gemeinderat einen Beschluß gefaßt hätte, der die Anlage in der gegenständlichen Planungstiefe nicht akzeptiert.

Grund dafür sei unter anderem die vermehrte Verkehrsbelastung und daß darüber hinaus nach Aussage des Geschäftsführers der Grünen Tonne die Verbrennung von bezirksfremdem Müll nicht ausgeschlossen werden könnte.

"Die Gemeinde Pitten hat eindeutig Stellung bezogen, daß die Anlage so wie hier jetzt vorgesehen vom Gemeinderat nicht akzeptiert wird."

Allerdings wäre eine Gemeinde im Verfahren nicht Entscheidungsträger sondern hätte nur ein einfaches Parteirecht.

Im übrigen strebe er Einstimmigkeit mit den anderen Gemeinden an.

Wenn er zu dieser Aussage steht, dürfte er damit in Bgm und Abgeordneter zum Nationalrat Johann Rädler einen schlagkräftigen Partner finden.

Rädler sagte, daß mit einer Müllverbrennung die Bemühungen einer ganzen Region in Frage gestellt werden würden. Seine Kernaussage zum gegenständlichen Projekt war, daß die Gemeinde Erlach eigene Gutachten in Auftrag geben würde.

 

  Bgm Filz (Schwarzau) stellte sich hinter Rädler und entschieden gegen den Vorwurf der Befürworter, die in Schwarzau geplante Bio-Hackschnitzel-Verbrennungsanlage sei in Größe und Art mit der Produktionsstätte der Hamburger Gruppe in Pitten zu vergleichen.

Ob die dargebotenen Informationen geholfen haben, neutrale Beobachter zu einer Meinung zu bewegen, vorgefaßte Meinungen aufzulockern oder zu zementieren ist insgesamt schwer zu beurteilen. Da aber alleine die Behörden Entscheidungsgewalt haben, scheint dieser Punkt nur knapp vor Wahlen wesentlich zu sein.

Die Vertreter der Hamburger Gruppe waren sich unverkennbar bewußt daß sie aufgrund einer langen Kette von Ereignissen in der breiten Bevölkerung, zumindest was ihre Glaubwürdigkeit betrifft, auf keine übertriebene Bonität zurückgreifen können.

Zwischen den Zeilen ließ sich herauslesen, daß die vor zwei Jahren gebaute neue Papiermaschine und ihr enormer Energieverbrauch wohl an einer der Wurzeln der gegenwärtigen Entwicklung rühren dürfte. Eine andere liegt im ständigen Wachstumsbedürfnis des Konzerns und einer hart angelegten Kosten-Nutzen-Rechnung.

 

So würde laut UGR Werner Moidl zum Beispiel das obere Managment Einsparungsmaßnahmen anordnen, die in der Praxis technische Grenzen zumindest ausloten und langfristig Risiken für die Umwelt bedeuten können.

Ob eine ökologische verträgliche Höchstgrenze für das Pittental möglicherweise schon überschritten ist sollte der Ansatzpunkt unabhängiger und umfassender Untersuchungen sein.

(Anm.: Das Pittener Werk fällt unter die extra für diesen Fall geschaffenen EU Richtlinien der IPPC, eine Fragestellung an die Behörden ist also durchaus zulässig.)

Eine ungeprüfte Akzeptanz des Ist-Zustands scheint jedenfalls eine unzureichende Basis für einen weiteren Ausbau des Standorts Pitten zu sein.

 

 

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