----- Original Message -----
From: "ebka"
To: "Johann Winkler"
Sent: Monday, August 07, 2006
Subject: Emissionen

 

Sehr geehrter Herr Ingenieur Winkler,

es freut mich, dass sie wohlbehalten und hoffentlich gut erholt aus dem Urlaub zurück sind.

Als Vortragender der beiden Vorträge, die unter anderem die Emissionen ihrer bestehenden Anlage und die möglichen Emissionen der geplanten Müllverbrennungsanlage zum Inhalt hatten fühle ich mich angesprochen und möchte hierzu kurz Stellung nehmen:

Sie schreiben:

"Das Bild von der Umwelt Istzustandserhebung wird laufend klarer und widerlegt alle kolportierten Horrorszenarien wie sie im Internet, bei Vorträgen und
Flugblättern zur Panikmache bei der Bevölkerung behauptet werden."

In den Vorträgen wurden die Emissionen basierend auf den von Ihnen abgegebenen Emissionserklärungen und der gesetzlich festgelegten Grenzwerte interpretiert.

Den Vorwurf "Horrorszenarien" zur Panikmache bei der Bevölkerung im Vortrag kolportiert zu haben muß ich auf das Schärfste zurückweisen und Sie umgehen auffordern diesen ungeheuerliche Vorwurf zurückzunehmen.

Für im Internet und auf allfälligen Flugblättern kolportierten Szenarien bin ich nicht
verantwortlich.

Die Experten sehen eine Abnahme der Belastungen als Folge der konsequenten
Bemühungen seit den 90er Jahren.

Die "konsequenten Bemühungen" zur Abnahme der Belastungen durch Emissionen sehe ich nicht als Verdienst Ihres Hauses, sondern als Folge der verschärften gesetzlichen Rahmenbedingungen an.
Die Stickoxid- und Chlorwasserstoffemissionen in der von Ihnen genannten Höhe von mehr als 200 Tonnen pro Jahr dürften Sie dabei aber ebenso konsequent übersehen haben. Falls es Ihnen nicht bekannt sein sollte ...
DeNOx Anlagen sind seit den 80er Jahren bei Verbrennungsanlagen Stand der Technik.

Als einzige Ausnahme ist hierbei der Staubfilter anzusehen. Nachdem der alte Gewebefilter, aus welchen Gründen auch immer, abgebrannt ist mußte dieser zwangsweise ersetzt werden.

Der von Ihnen so gelobte Hochleistungs - Goretex - Filter gilt heut bei kleinen Entstaubungsanlagen ( z.B.: in holzverarbeitenden Betrieben ) als Stand der Technik. Nur dort werden damit vergleichsweise ungefährliche Holzstäube abgeschieden, nicht hochtoxische Stäube aus Verbrennungsvorgängen.

"Wir haben nichts zu verheimlichen, weder gegenüber Behörden noch gegenüber
Anrainern."

Dies freut mich ungemein. Dann steht ja der Veröffentlichung des Genehmigungsbescheides für die Verbrennung von ca. 60000 Jahrestonnen " Klärschlamm " in der Wirbelschichtanlage nichts mehr im Wege.

"Aus der Internet Platform www.hamburger.eu.com ist ersichtlich, dass die
Emissionserklärungsdaten 2005 von Projektgegnern zur Konstruktion einer
Anzeige bei der NÖ Umweltanwaltschaft benutzt wurden."

Offensichtlich ist Ihnen der Inhalt des Briefes an die Umweltanwaltschaft nicht bekannt.
Auf Anforderung sende ich Ihnen gerne eine Kopie zu. Von einer Anzeige kann hierbei wirklich nicht die Rede sein. Für eine solche Anzeige wäre auch die Umweltanwaltschaft die falsche Adresse.

" .... die Gutachter werden beweisen daß die Auswirkungen marginal sind"

Es mag sein, dass die Auswirkungen der geplanten Anlage von Gutachtern, die von Hamburger bezahlt werden, als marginal angesehen werden.
Die Emissionen der Wirbelschichtanlage, bei der die IPPC-Richtlinien deutlich überschritten werden sind bei weitem nicht als marginal anzusehen.
Es wurde jahrzehntelang verabsäumt wirksame Maßnahmen gegen die beträchtlichen Emissionen von Stickoxiden und Chlorwasserstoff zu setzen.
Von marginalen Auswirkungen zu sprechen, wenn eine Anlage mehr als 200 Tonnen säurebildender Substanzen im Jahr emittiert, halte ich für einen nicht grade originellen Scherz.

".... die Emissionsüberwachung wurde drastisch verbessert"

So nebenbei .... auch diese Verbesserung wurde durch gesetzliche Auflagen erzwungen.
Was von Ihnen bei Ihren Ausführungen immer wieder gerne übersehen wird ist, dass die Emissionen von hochtoxischen organischen Substanzen ... z.B.: Dioxine und Furane ... weder gemessen, noch überwacht werden.
Wie lange liegt die letzte Dioxinmessung an der Wirbelschichtanlage zurück ?
Dass eine Verbrennungsanlage, die Tonnen von HCl im Jahr emittiert keine Emission von Dioxinen und Furanen aufweist, wird nicht nur von mir angezweifelt.

Dass an Ihrer Anlage eingesetzte Staubmesssystem kann leider nur Staubpartikel ab einer bestimmten Partikelgröße erfassen .... Feinststaub kann von diesem System nicht erfaßt werden und bleibt somit unerkannt, was aber nicht heißt, dass er nicht emittiert wird.

"Wir als Betreiber haben in den jährlichen Emissionserklärungen die Behörde
umfassend über alle Veränderungen in der Papierfabrik informiert, die Behörde
sah auch nie einen Grund zum Einschreiten."

Das freut mich für Hamburger und für Sie. Es ist kaum anzunehmen, dass eine anscheinend in den angeführten Emissionserklärungen vermerkte Änderung in der Menge und Zusammensetzung des Brennstoffes automatisch einer Genehmigung dessen gleich kommt. Es könnte ja auch sein, dass die Behörde etwas übersehen hat und die gegenständliche Diskussion zum Anlaß nimmt ihre Sichtweise zu überprüfen.

"Anzeigeaktionen wie diese bestätigen die Hardliner und erschweren die
Position der Gemäßigten."

Dass Sie in Ihrer Firma einen schweren Stand haben und sich nur sehr schwer durchsetzen können wird von niemanden in Frage gestellt. Denn sonst hätten Sie nicht bis zum Jahr 1999 den Wirbelschichtkessel mit einer zu diesem Zeitpunkt mehr als veralteten Leittechnik ( sofern diese den Ausdruck überhaupt in Anspruch nehmen konnte ) betrieben.

Dass auf der Seite der Anlagengegner die Gemäßigten das Sagen haben können Sie schon daran ersehen, dass bis jetzt noch keine Anzeigenaktion oder sonstige unliebsamen Aktionen abgelaufen sind.

In der Hoffnung, dass Sie sich bei den von Ihnen angeführten Hardlinern durchsetzen können und endlich ein Energiekonzept entwickeln können, das diesen Namen auch wirklich verdient und Sie nicht aus welchen Gründen auch immer, versuchen müssen mit dem Einsatz von billigsten Maßnahmen gerade noch die Auflagen erfüllen zu können.
Das könnte nämlich bei der Ertüchtigung des völlig veralteten Wirbelschichtkessels auf den JPPC Standard leicht passieren und auf die Möglichkeit, dass Sie aus einer zu errichtenden Müllverbrennungsanlage die notwendige Energie zum Betrieb der Papiermaschinen generieren können, würde ich nicht setzen.

Trotz allem verbleibe ich wie immer

mit freundlichen Grüßen

Karl Eberl

 

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