Neue Anlage für den Mist der Wiener
18. Jänner 2008
Simmeringer Werk soll im Oktober in Betrieb gehen und auch Energie
liefern
Wien - Alle Müllverbrennungsanlagen in Wien hätten einen guten Standard, sagt Franz Klager, Prokurist des Umweltzentrums in Wien-Simmering. Die älteren Anlagen seien nachgerüstet worden, das neue Herzstück in Simmering-Pfaffenau soll im Oktober in Betrieb gehen.
Aus dem Schlot der neuesten Müllverbrennungsanlage wird wohl kein Wiesenduft dampfen, wiewohl der Anteil von Staub beispielsweise um 90 Prozent unter dem EU-Wert liegen werde, sagt ein Sprecher von Umweltstadträtin Ulli Sima (SP). Die Norm ist 10 Milligramm pro Kubikmeter.
Der Rauch des verbrennenden Mülls der Wiener durchläuft vier Rauchgaswäschen, ehe er aus dem Schornstein tritt. Schlacke, Schrott, Kesselasche sowie andere Produkte werden mit Beton vermischt und landen auf der Mülldeponie. Laut EU-Gesetz darf ab 2009 kein unbehandelter Hausmüll auf der Deponie lagern. Deswegen wird die Pfaffenauer Anlage auch noch heuer fertig gebaut.
Monopol
Peter Lechner, Professor am Institut für
Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur
in Wien (Boku) meldet Bedenken an: "Ich bin kein Freund der
Müllverbrennung, obwohl die Anlage keine Gefährdung
für Mensch und Umwelt darstellt", sagte der Wissenschafter.
Der Kritikpunkt ist, dass die Verbrennungsanlagen in der Hand
von Energieversorgungsunternehmen seien, womit diese eine Monopolstellung
inne hätten und den Preis für Energie hochtreiben könnten.
Denn die Verbrennungsanlage in Simmering soll künftig auch
Energielieferant sein und jährlich 65 Gigawattstunden Elektrische
Energie sowie 410 Gigawattstunden Fernwärme liefern. Das
entspricht der Versorgung von 5300 Haushalten mit Strom und 12.000
Haushalten mit Fernwärme. 250.000 Tonnen Restmüll sollen
dafür verantwortlich zeichnen. Das Tempo: 32 Tonnen pro Stunde.
(Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 19./20.1.2008)