Hamburger kämpft um 30
Millionen Euro-Investition in Pitten
von Franz Gansrigler | 06.02.2008 | 16:16
Die Papierfabrik Hamburger will um 30
Mio. Euro eine Ersatzbrennstoffanlage bauen, um Energiekosten
zu senken. Chef Josef P. Luef hat dabei grosse Zores mit Gegnern.

Hamburger-Chef Josef P. Luef: "Eine Firma muss sich weiterentwickeln,
sonst stirbt sie"
Pitten. Josef P. Luef, Geschäftsführer der Papierfabrik Hamburger kämpft am Standort Pitten um ein Ersatzbrennstoffwerk, das die Energiekosten senken helfen soll. 30 Millionen Euro werden investiert, um etwa 30.000 Tonnen Ersatzbrennstoff aus Altpapier, die sonst ins 110 Kilometer entfernte Kraftwerk Dürnrohr oder noch weiter nach Lenzing transportiert werden müssten, für die eigene, CO2-reduzierte Energieversorgung zu verwenden. Was für die zur Prinzhorn-Gruppe gehörende Hamburger GmbH lebensnotwendig ist, ist Grünen oder "traditionellen Gegnern unseres Werks", wie Luef sagt, ein Stein des Anstosses.
Luef hat bemerkt, wie eine Anti-Stimmung bereits in die Gemeindestube überschlägt, "wenn ein paar Leute nur gehörigen Wirbel machen". Dabei bringe das neue Ersatzbrennstoffwerk "nur Vorteile für Niederösterreich". Denn immerhin würden Transporte von 30.000 Tonnen Ersatzbrennstoff eingespart. Durch eine Kraft-Wärme-Koppelung wäre die Brennstoffausnützung in Pitten mit mehr als 80 Prozent grösser als jene in Dürnrohr mit 60 Prozent. Der Kostenanteil der Energie liegt für Hamburger bei 15 Prozent "und muss reduziert werden".
Luef hat für das neue Kraftwerk die Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht und hofft auf eine erste Verhandlung im Herbst. Wirklich verhindern, glaubt Luef, können die Gegner die Anlage nicht, aber lange verzögern allemal. Mit einem Nachbesserungsauftrag für die UVP rechnet er, sodass frühestens in der zweiten Hälfte 2009 mit dem Bau der Verbrennungsanlage begonnen werden kann. "Eine Firma muss sich weiterentwickeln, sonst stirbt sie."
Land ist gefordert
Ein Hauptproblem für den Standort Pitten ist, wie Luef sagt, das Verkehrsaufkommen, worüber Anrainer besonders klagen. Eine verbesserte Infrastruktur sei unbedingt erforderlich, um den Standort weiter zu entwickeln. Das sei aber Landessache. "Die Gemeinden sollen nicht jammern, sondern gemeinsam mit dem Land Möglichkeiten einer verbesserten Zufahrt suchen. Das ist Angelegenheit der Politik und fällt nicht in die Kompetenz von Hamburger."
Kommentar:
"Steinzeit-Industrialismus"
Man muss nicht besonders lange nachdenken, um hier eines der Grundprobleme
der österreichischen Wirtschaftsordnung zu sehen, die immer
noch der EU hinterher hinkt. Konzerne, die sich die Taschen auf
Kosten der Umwelt und der Anrainer füllen wollen, kommen
gar nicht auf den Gedanken, dass sie Belästigungen und Allgemeinkosten,
die sie verursachen, selbst tragen sollten. Stattdessen wird ungeniert
versucht, Ausgaben des Konzerns auf den Steuerzahler abzuwälzen.
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