Prinzhorn: "Rette sich, wer kann"

23.01.2008 | 18:33 | (Die Presse, Schellhorn)

Der Papier-Industrielle erklärt, warum er 600 Mio. Euro im Ausland investiert ­ und nicht in Österreich.

Wien (schell). Neben Alfred Heinzel sieht auch der Papier-Industrielle Thomas Prinzhorn in Österreich keine Zukunft für seine Branche. "Hier gilt vor allem eines: Rette sich, wer kann. Wir müssen dort investieren, wo wir die richtigen Bedingungen finden", meint Prinzhorn im Gespräch mit der "Presse". Und die "richtigen Bedingungen" fänden die sich eben nicht in Österreich, sondern jenseits der Grenze.

Prinzhorn hat sich auch längst ins Ausland "gerettet". In Brandenburg steckt er gerade 400 Mio. Euro in eine zweite Papiermaschine samt dazu gehörendem Kraftwerk, in Ungarn investiert er 200 Mio. Euro in eine neue Fabrik. In Österreich werde gerade noch soviel investiert, um die bestehenden Standorte abzusichern.

Das habe allerdings weniger mit hohen Personalkosten zu tun, wie Prinzhorn beteuert: "Gute Mitarbeiter müssen allerorts gut bezahlt werden. In Ungarn wie im Osten Deutschlands oder in Österreich". Warum es den Papierindustriellen so stark ins Ausland zieht, begründet er mit dem besseren Investitionsklima. Besonders auffallend wären die Unterschiede bei der Genehmigung neuer Anlagen. Das gelte insbesondere für Kraftwerke, die für die Papierindustrie das Gebot der Stunde seien. Energiekosten machten laut Prinzhorn bereits 15 Prozent aller Aufwände in der Papierindustrie aus. Weshalb alle Hersteller über die Verfeuerung von Produktionsabfällen (wie Holzresten) ihren eigenen Strom zu produzieren versuchen.

Was hierzulande nicht gerade einfach sei. Seit fünf Jahren wartet Prinzhorn vergeblich auf die Genehmigung einer Ökostrom-Anlage in Pitten (Niederösterreich). "Ein zehnmal so großes Kraftwerk haben wir in Deutschland vor wenigen Monaten eingereicht. Das werden wir Mitte 2008 genehmigt bekommen", so Prinzhorn.

"Nur ja keine Investitionen"

Generell würde es der Papierindustrie sehr leicht gemacht, ihr Geld ins Ausland zu tragen. "Jenseits der Staatsgrenzen wird uns der rote Teppich ausgerollt", meint Prinzhorn. Während hierzulande eine Art Investoren-Abwehrprogramm laufe. "Alles, was wir in Österreich zu hören bekommen, ist: Nur ja keine Investitionen vor der nächsten Landtagswahl. Das ist doch völlig absurd", so Prinzhorn. Aus Sicht des Ex-Politikers Prinzhorn ist das Kernproblem in der Politik zu suchen. Während in den aufstrebenden Ländern Osteuropas Leute aus der Wirtschaft hohe politische Ämter wahrnehmen, sind es in Österreich vor allem Berufspolitiker, die aus den Kammern geholt werden. "Und die trauen sich kaum noch ein Projekt zu genehmigen. Beim kleinsten Gegenwind fallen sie um", kritisiert der Industrielle, der hierzulande knapp 1000 (von insgesamt 4000) Mitarbeiter beschäftigt.

"Man würde Psychiater rufen"

Wesentlich entscheidungsfreudiger wären die Politiker beim Verteilen von Steuergeldern. Etwa, wenn die Regierung zusätzliches Geld für die Betreiber von Biogasanlagen beschließt (siehe Artikel oben). Die Stromverbraucher werden demzufolge den bäuerlichen Grünstromproduzenten 20 Mio. Euro zuschießen müssen, um diesen höhere Rohstoffkosten (etwa für Rohmais und Weizen) abzugelten. "Das ist Wirtschaftspolitik à la Österreich und im Sinne des Verbraucherschutzes einfach unglaublich", kritisiert Prinzhorn. "Wenn ich von der Regierung verlangte, mir die stark gestiegenen Holzkosten abzugelten, würde ich zum Psychiater geschickt werden", so Prinzhorn.

Grundsätzlich sei an einer Ökostromförderung nichts auszusetzen ­ allerdings plädiert Prinzhorn für eine Investitionsförderung, im Gegensatz zu Dauersubventionen über Strom-Tarife.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2008)


2007 fragt der parteiunabhängige Verein öffentlich, ob der Konzern langfristig an eine Abwanderung der Papierproduktion denkt. Die Antwort: Die Androhung von straf- und zivilrechtlichen Klagen. Wir werden in Kürze darüber berichten. Hier spricht der Milliardär Prinzhorn nun selbst in der ihm zu eigenen Dramatik davon, sich ins Ausland retten zu müssen.

Dass seit fünf Jahren um die Errichtung einer Ökostromanlage eingereicht wurde, ist übrigens etwas grundlegend neues. Unseres Wissens existiert seit dieser Zeit ein überdimensioniertes Umspannwerk nahe der geplanten neuen Müllverbrennung, dessen Zweck nicht allein in der Papierproduktion liegen muss. Dazu die Anfrage von an die Hamburger Recycling GmbH zum Wahrheitsgehalt dieses Artikels der Presse


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