21.5.2008 hamburger.eu.com

Einer Aussendung des Vereins APFEL zufolge sind die letzten Auskünfte der Bezirkshauptmannschaft Neukirchen nicht als endgültige Bescheide zu betrachten sondern sollten weiter und vertieft hinterfragt werden.

Insbesonders scheint es so, als hätte es eine Zeitspanne von mehrerern Jahren gegeben, in der keine Behörde für die derzeit schon laufende und jahrelang angewachsene Restfasermüllverbennung zuständig gewesen sei. Auch die Gemeindevertreter scheint dies nicht gestört zu haben.

Darüberhinaus erscheint weiter fragwürdig, ob durch einen von Mag. Haring zwar ausgestellten, aber bis heute von ihm nicht veröffentlichten Feststellungsbescheid eine möglicherweise seit Jahren ausständige Umweltverträglichkeitsprüfung ersetzt werden kann. Der langjährige Sachbearbeiter in Sachen Hamburger, Haring, erklärt die Geheimhaltung damit, dass die Begründung einer Aufstockung auf über 40.000 Jahrestonnen verbrannten Müll von vormals etwa 11.000 Jahrestonnen keinerlei Umweltinformationen beinhalte.

Obwohl in den Protokollen der grundlegenden Probeverbrennungen immer von feuchtem Schlamm die Rede ist und dieser auch aufgrund seiner Nässe von den Fachleuten als "energieneutral" dargestellt wurde, sprechen sowohl die Behörden als auch der Konzern neuderdings von "Tockensubstanz" in Höhe des ehemals etwa 70% Wasser enthaltenden  Schlamms und von deshalb "irrtümlich" falsch dargestellten Werten. Dies alles, so APFEL, erst seit der Verein begonnen hat nach Details und Emissionsprotokollen zu fragen.

Der dafür zuständige Umweltgemeinderat von Pitten, Werner Moidl, steht dabei auf Seite der Behörden bzw. des Konzerns, er sieht in der seit seiner Amtszeit begonnen laufenden Steigerung der Restfasermüllverbrennung kein Problem. Die BH Neunkirchen geht so gar so weit zu sagen, dass sich eine Steigerung der verbrannten Menge an Müll "günstig für die Umwelt" auswirken würde. Dabei wurden laut Messtechniker Karl Eberl aber keine Massenströme, also Gesamtstoffmengen, berücksichtigt.

Der Konzern selbst stellt die Sache ohnehin anders da: Der aus Pitten abgewanderte Unternehmer Prinzhorn sieht sich einem "Spiessrutenlauf der Behörden ausgesetzt". Demzufolge trügen ausschliesslich die Behörden Schuld daran, dass Hamburger das Werk Pitten nicht schon längst modernisiert hat. 

hamburger.eu.com liegen eine Reihe von Dokumenten vor demzufolge es vor allem EU-Richtlinien sind, die eine (kostenintensive und abgasmindernde) Modernisierung des Werkes verlangen. Die Behauptung, dass die lokalen Behörden dies zu verhindern wussten und weiterhin wollen, kann in dieser Form schwer nachvollzogen werden.

Emissionsprotokoll der gegenwärtigen Pittener Restfasermüllverbrennung mit Anmerkungen von Johann Winkler, Hamburger Recycling GmbH.

Die in Werbebotschaften des Konzerns beschriebene modernsten Technologien beziehen sich, wenn man den Angaben von Experten trauen darf, eher auf die Papiermaschinen und nicht auf die Filterung der Abgase, die (siehe Faksimilie oben) dem Stand der Technik seit Jahren hinterher hinkt. Das an Mitarbeitern zunehmend abgespeckte Pittener Werk nahm eine ebenfalls von Mag. Haring freundlicherweise ausgestellte Sonderregelung in Anspruch, um europaweit gültigen Abgas-Standards zu genügen.

Der Geschäftsführer des Konzerns, Luef, fordert über die Medien einen Ausbau der Infrastruktur des Konzerns. Diesen sollen die Gemeinden finanzieren. Der Konzern investiert laut eigenen Angaben lieber im Ausland. Diese Investitionen werden in zweistelligen Millionenbeträgen durch die EU subventioniert.

Für eine Kraft-Wärme Kopplung, wie sie für die geplante Hausmüll- und Spuckstoffverbrennung vorgesehen ist, stellt die EU ebenfalls Subventionen bereit.

Österreich verfügt über wachsende Überkapazitäten an Müllverbrennungen. Das liegt daran, dass Müllverbrenner den Haushalten einen bislang geheimen, mit Sicherheit unverhältnismässig hohen Unkostenanteil für die Verwertung des Mülls zu Energie verrechnen dürfen. Unverhältnismäsig deshalb, weil den Betrieben und Haushalten immer noch die Entsorgung verrechnet wird, während am anderen Ende verwertet wird. Brennstoff aus Müll zu verbrennen ist aufgrund der in Österreich bestehenden Gesetzeslage ein lukratives, weil doppeltes Geschäft. Doch schon jetzt wird der energiereiche Müll immer knapper. Um den Bau einer weiterer Müllverbrennungsanlagen sinnvoll und ökonomisch voranzutreiben, wird Müll aus dem Ausland zur Verbrennung nach Österreich importiert werden müssen.