Pittener Gemeinderat bestellt Industrieanwaltskanzlei gegen Hamburger
10.11.2007
Am 23.10.2007 hat die Hamburger Recycling GmbH bei der RU4 Niederösterreich für eine Anlage zur "thermischen Verwertung von nicht gefährlichen Abfällen" eingereicht - eine Müllverbrennungsanlage.

Seit 30.10.2007 liegen die Unterlagen in
Pitten und Seebenstein auf.
Einsicht haben derzeit nur die Bürgermeister und die Gemeindevertreter.
Nun läuft eine mindestens sechswöchige
Frist (derzeit bis zum 11. Dezember 2007), innerhalb dieser die
Gemeinden Stellung beziehen können. Die Gemeinden
könnten, wenn sie wollten, eine Verlängerung dieser
ersten Einspruchsfrist erwirken - bei dem Volumen des abgegebenen
Materials wäre das durchaus plausibel.
Dies ist aber offenbar bis jetzt nicht erfolgt. Erst nach Stellungname
der Gemeinden beginnen die Behörden zu arbeiten.
Nachdem die Behörden die Stellungnahmen
bearbeitet haben, werden die Gemeinden informiert und erst dann
müssen die Gemeinden einen entsprechenden Aushang für
die BürgerInnen machen.
Damit beginnt eine Einspruchsfrist von ebenfalls mindestens
6 Wochen.
Danach folgt die Erstellung des UV Gutachtens,
das für mindestens 4 Wochen bei der UVP Behörde und
den Standortgemeinden aufliegt, gefolgt von der UVP Verhandlung.
In Pitten wurde Werner Moidl mit der Ausarbeitung der Gemeinde-Stellungnahme
beauftragt.
Bgm. Moraw (Pitten)
ist derzeit nicht zugegen.
Der Pittener Gemeinderat Werner Moidl hat Bgm. Endl (Seebenstein)
angeboten, er werde auch die Stellungnahme der Gemeinde Seebenstein
schreiben. Ob diese nicht Willens ist unabhängige Stellungnahme
abzugeben, bleibt noch abzuwarten.
Die nächste Gemeideratssitzung in Pitten ist am 10. Dezember,
also einen Tag vor Ablauf der Frist zur Stellungsnahme.
Bei der Informationsveranstaltung von Karl Eberl am 9.11.2007
in Seebenstein gab Bgm. Endl bekannt, dass Günter Moraw die Kanzlei Fellner, Wratzfeld und Partner zur
Vertretung der Gemeinde vorgeschlagen hätte.
Die Kanzlei vertritt unter anderem "Österreichs grösstes
Energieversorgungsunternehmen".
Nicht genug damit, dass der Pittener Bürgermeister Günter
Moraw immer noch Geschäftsführer der Planungsfirma der
Müllverbrennung ist - seine Jaakko
Pöyry Austria ist die ehemalige Verbundplan, eine Tochter
des Verbunds und damit - "Österreichs grösstes
Energieversorgungsunternehmen". -->link
Möglich, dass Moraw, ähnlich wie nach seiner Wahl
zum offiziellen Vertreter der Gemeinde vorhat, den "Informationsvorsprung"
zu nutzen, den die industriefreundliche Kanzlei im Falle eines
Interessenskonflikts zweifellos haben könnte. Es fragt sich
nur, in welche Richtung er genutzt wird. Dass die Kanzlei sich
mit der Industrie ernsthaft anlegen würde und damit einen
Grossteil ihrer Kunden verstimmt ist mit Sicherheit auszuschliessen.
Von dieser "zufälligen" Vernetzung
(Verbundplan-Chef verpflichtet Verbund Kanzlei) einmal abgesehen:
Bezahlt werden die Verbund-Anwälte in ihrer schrägen
Mission aus der Gemeindekassa.
Der gesamte Gemeinderat von Pitten war dafür.
Mit einer Ausnahme allerdings...
Werner Moidl erklärte am 9.11.2007
auf Karl Eberls Informationsveranstaltung in Seebenstein, diese
Umstände wären ihm zum Zeitpunkt der Abstimmung bekannt
gewesen, er wäre deshalb auch als einziger gegen die Beauftragung
der Verbund-Anwaltskanzlei gewesen, habe sich aber im Gemeinderat
mit seiner alleinigen Gegenstimme nicht durchsetzen können.
Vielleicht ist die Logik dahinter, dass das Geld der Gemeinde
ohnehin Hamburger gehört.
Laut Harald Ganster, Topmanager aus der Konzernzentrale, "sponsert"
Hamburger ja die Gemeinde Pitten - nämlich indem sie Kommunalsteuern
abführt. -->
Allerdings werden selbst diese mageren Gaben laufend weniger. Die äusserst profitable IT Abteilung des Konzerns ist vor kurzem in die Konzernzentrale nach Oberwaltersdorf übersiedelt - die Belegschaft des Werkes Pitten schrumpft laufend, mit Standortsicherung hat das alles wenig zu tun.
Für den Betrieb einer Müllverbrennung dieser Dimension sind laut Karl Eberl nicht mehr als zehn Leute pro Schicht vonnöten. Eine Kraft-Wärme-Kopplung, dass heisst die Einspeisung von durch Müll erzeugtem Strom ins Netz - siehe da! -- des Verbunds, ist aus Sicht der EU förderungswürdig.
Die Kanzlei Fellner, Wratzfeld und Partner gilt in Branchenkreisen eher als Vertreter von Industrie-Interessen als von kleinen Gemeinden, die Müllverbrennungen stoppen wollen.
Die Expertise
fwp ist seit vielen Jahren eine auf dem Gebiet
des Umweltrechts ausgewiesene Anwaltskanzlei.
Wir beraten zahlreiche österreichische
Industriebetriebe bei der erfolgreichen Bewältigung
umweltrechtlicher Themen [...]
Anlagenrechtliche Genehmigungsverfahren
und umweltrechtliche
Aspekte der Projektentwicklung haben wir
genauso erfolgreich begleitet wie verschiedene
Spezialaufträge für die öffentliche Hand
(z.B. den Spielraum bei der Berücksichtigung
von Umweltaspekten in Vergabeverfahren).
Quelle
Die Wahl dieser Kanzlei kann damit als ein klares "JA" des Gemeinderats Pitten zur Müllverbrennung in Pitten gesehen werden.