
Altkunststoffverwertung (Kunststoffrecycling)
"Im Vergleich zur Deponierung und
Neuproduktion von Kunststoffen aus Primärrohstoffen haben
aber alle Verwertungsverfahren den Vorteil, keine fossilen energetischen
Ressourcen und kein Deponievolumen zu verbrauchen. (...) Für
die stoffliche Verwertung von LDPE-Granulat im Vergleich zur Neuproduktion
konnten erhebliche Energieeinsparungen (um rund 90%) festgestellt
werden (Salhofer et al. 2000).
Energieeinsatz für die Produktionvon 1 t LDPE-Granulat: 1)
| Einsatz | Primärproduktion | Sekundärproduktion |
| thermische Energie kWh | 280.000 | 15.500 |
| elektrische Energie kWh | 5.000 | 10.000 |
Heutzutage sind über 200 verschiedene Kunststoffarten im Handel. Kunststoffe sind aus Kohlenstoffatomen aufgebaut. Diese Kohlenstoffatome schliessen sich ähnlich wie Cellulose oder Stärke zu langen, kettenförmigen oder netzartigen Molekülen zusammen.
Erwärmt man Kunststoffe, teilen sie sich in drei Gruppen auf:
1. Thermoplaste sind Kunststoffe, die durch Erwärmen beliebig oft in einen fließfähigen und formbaren Zustand übergeführt werden können und sich nach dem Abkühlen verfestigen.
zB.: Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyvinylchlorid (PVC), Polyamid (PA), Polycarbonate (PC), Polyetylenterphthalat (PET)
Thermoplaste sind mehrfach thermisch verformbar und stellen dementsprechend die allergrößten Recyclingmöglichkeiten dar.
2. Duroplaste sind im festen Zustand sehr hart.
zB.: Polyurethane (PUR), Polyesterharze, Epoxidharze, Silikone
3. Elastomere sind dauerelastisch und selbst bei Raumtemperatur gummielastisch. zB.:Kautschuk, Gummi
Polyetylen ist weltweit in Herstellung und Verwendung der Spitzenreiter unter den Kunststoffen. Weiters werden EPS (geschäumtes Polystyrol) und Polypropylen sehr häufig verwendet.
An der Möglichkeit zur stofflichen Verwertung von Altkunststoffen ist die Gruppenzugehörigkeit (Thermoplaste, Elastomere, Duroplaste) maßgeblich beteiligt. Die größten Möglichkeiten hiezu stellen wie bereits erwähnt die Thermoplaste dar. An werkstofflichen Verwertungsverfahren der Elastomere wird gearbeitet.
Bei einem mechanisch-physikalischen Recycling werden die Kunststoffe sortiert, vermahlen, gereinigt, aufgeschmolzen und zu neuen Produkten oder Granulat verarbeitet.
Beispiel für einen zeitlichen Verfahrensablauf der stofflichen Kunststoff-Verwertung:
Kunststoff-Fraktion Sortierung
Zerkleinerung
Wäsche
Trennung im Sink/Schwimm-Verfahren
mechanisch/thermische Trocknung
Granulierung
Regranulat
Aktuell bedeutsam in der Kunststoffverwertung ist die Zerkleinerung von EPS-Abfällen (geschäumtes Polystyrol):
Die zerkleinerten EPS-Abfälle werden als Zuschlag bei der Dämmstoff- Estrich- und Leichtbetonherstellung eingesetzt.
Die zerkleinerten EPS-Abfälle werden aufgeschmolzen und als PS-Regranulat im Spritzgussbereich (für Auto- und Elektroindustrie) verwendet.
Die zerkleinerten EPS-Abfälle werden auch zu neuen Verpackungen oder Leichtbauteilen verwertet.
Polyethylene niedriger Dichte, LDPE (Low-Density PE) genannt, finden unter anderem als Verpackungsfolien, Agrarfolien, Säcke oder Tragetaschen Verwendung. Aus LDPE können per stofflicher Verwertung Müllsäcke, Planabdeckhauben, Garten-, Landwirtschafts-, Bau- und Verpackungsfolien, Tragetaschen (ein,- und mehrschichtig) Elektrorohre, oder Kabelschutzrohre gewonnen werden.
Polyethylene sehr niedriger Dichte, LLDPE, als Wickelfolien bekannt, werden zu Folien verwertet.
Beim rohstofflichen chemischen Recycling werden Rohstoffe durch chemische Prozesse in niedermolekulare Rohstoffe zurückgewandelt und erneut in Raffinerien oder Chemiefabriken eingesetzt. Der Stoffkreislauf Rohöl-Kunststoff-Rohöl ist somit geschlossen.
Auch gemischte Altkunststoffe inclusive Verunreinigungen können dem chemischen Recycling zugeführt werden.
In Österreich gibt es keine Anlage zur rohstofflichen Verwertung von Kunststoffen.
Bei der thermischen Verwertung von Kunststoffen wird der Stoffkreislauf Rohöl-Kunststoff-Rohöl nicht eingehalten.
Vergleich der Umweltauswirkungen von Recycling und thermischer Verwertung von Kunststofffolien im Verhältnis zur Deponierung (100%)
| Einsparung durch Recycling in % | Erhöhte Aufwendungen durch thermische Verwertung in % | |
| Treibhausgasemission |
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"Eine vergleichende Analyse der Umweltauswirkungen
von stofflicher und thermischer Verwertung von Kunsstofffolien
im Vergleich zur Deponierung zeigte in der o.g.Studie die niedrigsten
Umweltauswirkungen bei Recycling (= stofflichen Verwertung). So
wurden bei der stofflichen Verwertung bezüglich des Treibhauseffektes
Einsparungen von rund 18% und bezüglich des Einsatzes fossiler
Energie von rund 69% festgestellt. Die thermische Verwertung von
Kunsstoffenfolien zeigt jedoch in der Kategorie Treibhauseffekt
eindeutige Nachteile gegenüber der Deponierung und der daraus
resultierenden Neuproduktion."
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"Lechner Peter (Hg.). Kommunale
Abfallversorgung. Facultas Verlags- und Buchhandels AG, Wien.
2004.
(Anm.: Hervorhebungen durch die Autorin)
