Speerspitze in Stellung (Die Presse) 10.10.2001
Thomas Prinzhorn hadert mit der Europäischen Kommission
und den "Großen"
WIEN (p. o.). "Es geht halt immer gegen die Kleinen", so der milliardenschwere Papier-Industrielle Thomas Prinzhorn, Vorstandsvorsitzender der Hamburger AG, am Dienstag. Prinzhorn plant den Bau eines Wellpappe-Werkes in Brandenburg. Die EU-Kommission prüft gegenwärtig, ob eine zugesagte Beihilfe seitens der (deutschen) öffentlichen Hand in Höhe von 54 Mill. Euro (743,06 Mill. S) in Ordnung ist. Während Prinzhorn von einer "Routine-Kontrolle" spricht, sehen Experten die Lage anders.
"Tatsächlich prüft die Kommission jede staatliche Beihilfe", erklärt Kurt Graf vom Bundeskanzleramt. "Routine-Fälle werden im Rahmen von Vor-Prüfverfahren abgehandelt. Dort, wo man sich die Sache genauer ansieht, setzt man ein Haupt-Prüfverfahren an". Im Fall Hamburger AG läuft ein Haupt-Prüfverfahren. Prinzhorn kritisiert, die Kommission halte die Papierbranche für eine "Branche im Abschwung" und sei deshalb besonders wachsam. "Aber der Markt wächst doch zwischen fünf und acht Prozent im Jahr", von Abschwung könne keine Rede sein.
Außerdem sieht er sein Projekt als "Speerspitze" gegen Skandinavische Papier-Konzerne, die die Region dominieren und den unliebsamen kleinen Neuankömmling nicht dulden wollten. "Wir haben halt keine Lobby in Brüssel", so Prinzhorn anspielungsreich. Und wer habe eigentlich bei der hochsubventionierten Investition von BMW - einem "Großen" - in Dresden genauer nachgefragt?
"David" Prinzhorn erzielte mit seiner Hamburger Gruppe in den ersten drei Quartalen einen Umsatz von 540 Mill. Euro, das Ergebnis vor Steuern wurde auf 60 Mill. Euro verdoppelt.
