Die Gemeinderatssitzung vom 16.1.2006
Die Sitzung wurde am 11.1.2006 bekanntgegeben
und sollte am 16.1.2006 stattfinden.
Die Mindestfrist
für die Einberufung eines Gemeinderats ist 5 Tage, das war
also hart an der Grenze.
Bürgermeister Dr. Moraw läßt Gemeinderatssitzungen
sonst in den örtlichen Gasthäusern abhalten.
Die Sitzung vom 16.1. 2006 war ausnahmsweise im winzigen Saal
des Gemeindeamts Pitten anberaumt.
Es entstand der Eindruck, dass beabsichtigt war, die ganze Angelegenheit,
insbesonders die langjährige
Beteiligung des Bürgermeisters an der Planung der Müllverbrennung
in Pitten mit möglichst geringer Öffentlichkeitsbeteiligung
abzuhandeln.
Man kann nicht behaupten, dass das funktioniert hat.
Wenn es um Müllverbrennung und Wahrheit geht, sind die Pittener
extrem sensibel.
Zu Recht, wenn man die Erfahrungen
der letzten 25 Jahre betrachtet.
Die Absicht kehrte sich in ihr Gegenteil - Die öffentliche
Gemeinderatssitzung mußte in einer Impromptu-Aktion wegen
des großen Andrangs in das Veranstaltungszentrum verlegt
werden.
Der von einem sichtlich nervösen Bürgermeister Dr.Moraw
begrüßte Kollege BGM Walter Endl aus Seebenstein war
gar nicht anwesend, dafür war unter den Zuhörern Hans
Rädler, Bürgermeister der Nachbargemeinde Erlach.

Der Gemeinderat stimmte folgendem Antrag
von Dr. Moraw zu:
Unbeschadet der gesetzlichen Regelungen und der kommenden Umweltverträglichkeitsprüfung
werden seitens der Gemeinde Pitten folgende Kriterien für
die geplante neue Verbrennungsanlage der Fa. Hamburger als unabdingbar
betrachtet:
· Keine zusätzliche Verkehrsbelastung durch LKWs
· Keine Verbrennung von bezirksfremden Reststoffen (dies
ist vertragsrechtlich von Fa. Hamburger und auch der Grünen
Tonne zu garantieren)
· Keine Verbrennung von Sondermüll jeglicher Art (also
auch nicht von der Grünen Tonne)
· Detaillierte Information der Pittener Bürgerinnen
und Bürger bei einer öffentlichen Veranstaltung im VAZ
noch vor behördlicher Projekteinreichung.
Dieser Gemeinderatsbeschluss ist aber ausdrücklich nicht
als Zustimmung zur geplanten Anlage zu sehen.
Weiters machte UGR Werner Moidl einen aus Zeitgründen nicht
vorher eingereichten Antrag:
1) Vor weiteren Entscheidungen bezüglich des Baus einer
neuen Anlage sollte die Gemeinde eine behördliche Bedarfsprüfung
in Auftrag geben, ob der Müll der Grünen Tonne tatsächlich
in Pitten verbrannt werden muß. (paraphrasiert)
Dr. Moraw erklärte dazu, daß der Geschäftsführer des Reinhalteverbandes "Grüne Tonne" GmbH keinen Bedarf für eine Müllverbrennungsanlage in Pitten sieht, da ein fortlaufender Vertrag mit der Müllverbrennungsanlage Lenzing besteht. Dieser Aussage sind wir nachgegangen.
2) Vor dem Beginn einer Umweltverträglichkeitsprüfung möge der Gemeinderat weiters eine Urabstimmung mit der Pittner Bevölkerung durchführen um festzustellen, ob sie eine Müllverbrennung wünscht. (paraphrasiert)
Der Antrag im Wortlaut
Als Einwand wurde noch festgehalten, daß Zeitpunkt und Art
der Fragestellung noch festzulegen sind.
Dies kann wahrscheinlich nur in einer weiteren Gemeinderatssitzung
erfolgen.
Ein Beginn einer Umweltverträglichkeitsprüfung könnte
sich damit möglicherweise verzögert haben, zumindest
wenn der abgestimmte Antrag unter §35, Punkt 6 der Gemeindeordnung
fällt. Punkt
6, §35, Gemeinderat.
Beide Anträge wurden einstimmig angenommen.
Dr. Moraw sprach von einer Informationsveranstaltung
für die Pittner Bevölkerung im Lauf der nächsten
zwei Monate. (9.3.06)
Er nahm noch zu seiner mutmaßlichen Befangenheit als Geschäftsführer
der Planungsfirma und gleichzeitig Bürgermeister von Pitten
Stellung. Die einzige uns zugängliche öffentliche Quelle
zu diesem Thema findet sich abermals auf der Seite der Grünen
Pitten:
"Bürgermeister Moraw konnte
sich nicht durchsetzen mit seiner privaten Ansicht, daß
seine Tätigkeit in der Verbund-Plan nicht mit seiner politischen
Tätigkeit als Bürgermeister kollidiert. Dies soll aber
durch ÖVP GR Dr. Auer überprüft werden. UGR Moidl
empfahl dem Gemeinderat und den Zuhörern derzeit gar nichts
zu glauben, was Hamburger oder Moraw sagen, sondern auf den Genehmigungsantrag
für die Anlage voraussichtlig im November d.J.und den folgenden
Bescheid der Behörde zu warten. Die Akzeptanz in der Bevölkerung
für die Anlage geht gegen Null und BM Moraw als Planer der
Bezirksmüllverbrennung sieht sich mit immer stärker
werdende Gegenwind konfrontiert."
