Die Idee eine Müllverbrennungsanlage in Pitten einzurichten stellt keinen Erstversuch dar.
In den frühen 80ern sah das noch folgendermaßen aus:

1982 versuchte die damals noch weit aus kleinere Hamburger AG (von Konzern war noch keine Rede) den gesamten Müll der im sogenannten "Rinterzelt" am Rautenweg in Wien Süssenbrunn gesammelt wurde in Pitten in einer neu zu bauenden Wirbelschichtanlage unsortiert zu verbrennen.

Dieses Projekt gab die Hamburger Gruppe 1983 auf, als ein Sturm der Entrüstung mit 2400 Protestunterschriften durch die Bevölkerung ging.

Die damals abgegebenen Statements der Projektbetreiber unterscheiden sich interessanterweise genausowenig von den heute vorgebrachten Argumenten wie das obenstehende Programm, in dem man die Müllverbrennung als ein "Energieprojekt" umschrieb. Auch damals schon wurde der Anschein gegeben, als würde mit offenen Karten gespielt werden und als wäre es das beste, das dem Pittental passieren könnte.

Gerhard Wagner sprach vom "modernsten Stand der Technik" und von Zusammenarbeit mit bekannten Experten für Verbrennungstechnik. Er versicherte, daß man sich wegen des Umweltschutzgedankens zu einer kostenintensiven Lösung entschlossen hatte.

Thomas Prinzhorn, damals Vorsitzender des Vorstandes, heute Besitzer der Hamburger Holding, sprach 1983 davon, daß nur eine drastische Senkung der Energiekosten die Existenz der Firma W. Hamburger AG sichern könne. Auch er hatte unrecht - seit damals sind die Energiepreise laufend gestiegen und doch konnte die damalige Hamburger AG zu einem Großkonzern von heute expandieren. Jetzt geht es ihr besser als je zuvor - der Expansionskurs ist laut eigener Aussage noch lange nicht vorbei.

Herbert Reinthaller, Vorsitzender des Aufsichtsrates, versicherte, daß die strengen gesetzlichen Umweltvorschriften in vielen Bereichen weit unterboten werden würden.

Ing. Reinhard Göschl, heute Herausgeber der Kleinen Pittener Zeitung und ehemaliger CEO von IUT, vertraute auf die hervorragendsten Vertreter der besten industriellen Technik. (Alternatives link IUT)


Dipl. Ing A. Raschka sprach vom anerkannt umweltfreundlichsten Verbrennungsverfahren, von positiven Staubemissionswerten, die weit unter den strengen österreichischen Umweltvorschriften liegen.

 


 

1983 schrieb Ing. Reinhard Göschl in einer öffentlichen Aussendung an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, daß alle behördlichen Auflagen weit übertroffen wurden.

1984 suchte Hamburger dann um die Genehmigung an, seine Kunststoffrückstände (sogenannten "Spuckstoff") aus der Altpapieraufbereitung selbst zu verbrennen.
Es ging um 5.000 Tonnen.
Heute geht es um 45.000 Tonnen.

Bei Probeverbrennungen der so genannten "Spuckstoffe", das sind Plastikreste aus der Altpapieraufbereitung, wurde auf Drängen der Bürgerbewegung eine für die damalige Zeit (1985) unübliche Dioxinmessung vorgenommen. Die ohnehin fragwürdig hohen Grenzwerte wurden um mehr als das dreifache überschritten.

Das stärkte den Widerstand der Bevölkerung natürlich entorm. Er wurde kanalisiert über Peter Buchner und seinen Umweltschutzverein Pittental (UVP) und durch die Pittentaler Liste für Umweltschutz (PLUS), die bis 2000 aus den Gemeinderäten Peter Buchner (1985 - 2000) und Erika Harather (1990 - 1995) bestanden. Durch die beiden Gemeinderäte kam es zum erfolgreichen Widerstand in 1. Instanz bei der BH Neunkirchen, in der 2. Instanz bei der Landesregierung und in der 3. Instanz beim Wirtschaftsministerium.

Diese Taktik führte zu einem Angebot von Kristian Tengler: Die Pittener verzichten auf weitere Verzögerungen, Hamburger verzichtet im Gegenzug auf die Verbrennung von Spuckstoffen.
Es handelte sich dabei um ein aus heutiger Sicht etwas naives "Gentlemen's Agreement", es wurden keine Verträge über einen Deal geschlossen, der dann natürlich auch nicht stattgefunden hat.

Kurze Zeit darauf erklärte nämlich Thomas Prinzhorn, der Vorsitzende des Vorstandes, Kristian Tengler als "not in charge" (als nicht autorisiert, solche Verabredungen zu treffen) und suchte bei den Behörden, diesmal ungehindert um eine Genehmigung zur Spuckstoffverbrennung an, während die Pittener noch an den Kuhhandel glaubten. Christian Tengler wurde in weiterer Folge von Prinzhorn gefeuert.

Dagegen führte Peter Buchner und Stefan Moidl, damaliger Pittener Umweltaktivist, unterstützt von Carlo Wagner (Umweltschutzverein Pittental) eine zivilrechtliche Klage.

Am 28.3.1989 hob der Verwaltungsgerichtshof den Genehmigungsbescheid durch eine glückliche Fügung, nämlich wegen eines vorliegenden Formfehlers im Antrag der Betreiber auf.

Im August 1990, also eineinhalb Jahre nach der höchstrichterlichen Bestätigung des Formfehlers, also dem Urteil gegen die Müllverbrennungsanlage, acht Jahre nachdem 1400 Pittner gegen das Projekt protestiert hatten und nachdem die aus Seveso bekannten hochgiftigen Dioxine entdeckt wurden setzte sich der gesamte Gemeinderat und alle Fraktionen einmütig für die Ablehnung des Hamburgerprojektes ein und schloß sich damit dem Willen der Mehrheit an.

2002 erweitert der Konzern seine Produktion durch die von Jaakko Pöyry geplante Papiermaschine 4.
Die Menge an Restfasermüll, die verbrannt werden muß, nimmt entsprechend zu.

DI Christian Atzmüller schreibt 1999 in seiner Diplomarbeit "Stoffstrombilanz der Papierfabrik W. HAMBURGER AG" ..."stellt die Entsorgung dieses Abfallstromes angesichts der hohen Deponiepreise (1990: ÖS 1056 pro Tonne) noch immer einen bedeutenden Kostenfaktor dar. Daher werden auch immer wieder andere Entsorgungsmöglichkeiten wie Verbrennung diskutiert, da es aber keine Bewilligung dafür gibt und sich der Betrieb auch freiwillig gegenüber den Bewohnern der Region verpfichtet hat, nicht zu verbrennen, wird darauf verzichtet."

Anm.: Hervorhebung durch die Autorin

Von einem abgelaufenen "Stillhalteabkommen", wie es die Pittener Monatsschau in ihrem Leitartikel vom Februar 2006 beschreibt, konnten wir bis jetzt keine Dokumente oder Zeugen auftreiben.

Link zu "Bestandsaufnahme"

Offizielle Darstellung der Hamburger Gruppe in den Homepages der Gemeinden Pitten und Seebenstein

Link zur Geschichte des Hamburger Konzerns bzw. der Thomas Prinzhorn Holding GmbH

 

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