Wir sind von tausenden verschiedenartigen Kunststoffverbindungen
umgeben, deren Auswirkungen auf die Umwelt und den menschlichen
Organismus größtenteils noch nicht erforscht sind,
die aber bis auf die Ausdünstungen von Weichmachern (zB.
Phtalsäureester wie DEHP: nieren-, leberschädigend,
neurotoxisch, embryotoxisch, fruchtschädigend, im Tierversuch
krebserregend) bis jetzt als unbedenklich angesehen wurden.
Gegenwärtig wächst in Industriestaaten das Bewußtsein,
daß unser Körper durch die steigende industrielle Produktion
problematischer Stoffe permanentem Stress ausgesetzt ist. Während
einzelne Stoffe zwar unbedenklich erscheinen, können sie
in Summe und zusammen mit Feinstaub,
insbesonders bei Kindern zu Allergien, Konzentrationsschwächen,
Immunschwächen bis hin zu schweren Blut- und Zellerkrankungen
führen.
In den letzten Jahren sind beispielsweise auch die Inhaltsstoffe
vieler etablierter Kosmetik- und Reinigungsprodukte unter Verdacht
geraten. Einige Produkte die früher als harmlos galten stehen
heute im Verdacht krebserregend, immunschwächend, erbgutschädigend,
leberschädigend und depressionsauslösend zu sein, um
nur einige Ergebnisse der orthomolekularen Forschung zu nennen.
Die EU arbeitet an einer Kennzeichnungspflicht bei Verbrauchergütern,
stößt dabei aber auf Widerstand bei den Herstellern.

Keine Szene aus einem düsteren
Fantasyfilm sondern Inversionswetterlage im Pittental. Durch die
Dunstglocke ist die Burg Seebenstein zu sehen. Der austretende
Wasserdampf bindet Verbrennungsschadstoffe, hält sie fest
und sorgt für ihre Verteilung. Der Gesetzgeber hat dafür
derzeit noch keine Vorgaben vorgesehen.
Noch schlimmer scheint
es um die Verbrennungsprodukte von Kunststoffen bestellt
zu sein.
Der Wissenschaft sind erst einige sogenannte "chaotische"
Verbrennungsprodukte bekannt, allen voran Dioxine und Furane, die der Gruppe der POP's
(Persistant Organic Pollutants) zugerechnet
werden. Persistant steht für "widerstandsfähig",
Organic bedeutet, daß die Verbindung auf Kohlenstoff
basiert und Pollutant bedeutet "Umweltgift".
Bekannt wurden Dioxine vor allem durch einen verheerenden Industrieunfall
in Seveso und durch "Agent
Orange", ein Entlaubungsmittel der US-Army im Vietnamkrieg.
Agent Orange enthielt in Spuren Dioxin. Heute, 35 Jahre später,
entfaltet
das Gift in Vietnam immer noch seine seine Wirkung.
Wenn man eine teuflische Substanz sucht, die in der Natur nicht
vorkommt, sind Dioxine und Furane abgesehen von radioaktiven Isotopen
wahrscheinlich das beste, das man finden kann. Im Gegesatz zu
"guten" organischen Substanzen, aus denen unsere Nahrung
und letztlich auch unser Körper besteht, kann ihnen Hitze,
Sauerstoff, mechanische Belastung und ultraviolettes Licht wenig
anhaben.
Dioxine und Furane, wenn sie einmal in die
Umwelt gelangt sind, zerfallen nicht sondern können sich
in Lebenwesen vieltausendfach anreichern.
Das tun sie unter anderem auch ein Leben lang im Fettgewebe von
Lebewesen, Tieren wie Pflanzen. Wer diesen Mechanismus begriffen
hat, versteht daß Grenzwerte bei derartigen Stoffen sinnlos
sind. Dioxine und Furane wie auch andere POP's gelten als immunschädigend,
krebserregend, mutagen, leberschädigend, erbgutverändernd
und als so schädlich, daß sie sogar noch unter den
modernsten Messtoleranzen ihre tödliche Wirkung entfalten
können, sobald man einen größeren Zeitrahmen ansetzt.
Da sie aber ihre tödliche Wirkung oft erst nach Jahren entfalten
sind sie in Hinblick auf den Verursacher kaum nachweisbar.
Beispielsweise können schon geringe Anteile chlorhaltiger
Substanzen wie etwa Speisesalz die Entstehung dieser Stoffe in
jedem beliebigen Verbrennungsprozess vervielfachen.
Dioxine und Furane entstehen bei Temperaturen zwischen 250 und 800° bei der Verbrennung von PVC (Plastik), PCBs und Pentachlorphenolen. Aber auch aus harmlosen, nicht chlorierten organischen Verbindungen können während der Abkühlung der Rauchgase (Temperaturbereich von 200 - 4.000°) Dioxine und Furane entstehen und zwar in der sogenannten De-Novo Synthese. Die dabei vorhandenen Stäube wirken als Katalysatoren zur Erzeugung der Giftstoffe. Eine De-Novo Synthese kann unter Umständen im Filter oder sogar nach der Filterung stattfinden.
Eine Möglichkeit die De-Novo Synthese zu minimieren besteht im sogenannten Quenchen, einer Schock-Kühlung der Rauchgase durch Wasser. Leider gibt es keinen Vorteil ohne Nachteil: Die Schadstoffe gehen dabei vom Rauch ins Wasser über, das Problem wird verlagert.

Die uns bekannten Dioxine und Furane kann man unter hohem technischen
und finanziellen Aufwand teilweise ausfiltern, vorausgesetzt
es passiert kein "Unglück"
und vorausgesetzt der Betrieb hat kein primär wirtschaftliches
sondern vor allem ein ökologisches Interesse.
Dioxine und Furane sind so schwer zerstörbar,
daß sie inzwischen weltweit überall in Spuren gefunden
werden können. Je kälter die Atmosphäre, umso leichter
schlagen sie sich mit der Hilfe von Wasserdampf nieder. Dies erklärt
die zum Teil extrem hohen Konzentrationen von POP's im Gewebe
von Tieren, die in der Arktis und Antarktis leben. Obwohl Industrieanlagen
tausende Kilometer entfernt liegen, warnen die Gesundheitsbehördern
der United Nations Eskimos, ihre Kinder mit Muttermilch großzuziehen,
wenn sie sich traditionell von Fischen aus den Nordmeeren ernähren.
Allerdings gibt es auch noch jene anderen, die noch unerforschten
POP's. Diese können ungehindert und vor allem unbemerkt durch
die Filter und Schlote schmauchen, sie können unentdeckt
bleiben, weil ihre chemische Struktur und Wirkung eben noch unbekannt
ist.
Zuweilen wird von Seiten der Schadstoffverursacher behauptet,
dass ein Dioxinmonitoring nicht
möglich sei. Der Grund liegt möglicherweise in den außergewöhnlich
hohen Kosten einer fortlaufenden Überwachung der Dioxinbelastung.
Bei einer einmaligen Messung kann der Dioxinausstoss durch die
Vermeidung kritischer Stoffe problemlos verringert werden kann.
Durch die Verbrennung von Holz können Dioxine nur dann entstehen, wenn Chlor dem Holz von außen zugeführt wird z.B. durch Lindan, Pentachlorphenol. Derartig vorbehandeltes Holz gilt aber als gefährlicher Abfall. Ein Sonderfall sind Rinden von Allebäumen. Auch hier kann Dioxin entstehen, durch das anteilige Chlor aus dem Salz der Winterstreuung.
Hautverursacher von Dioxinen in der Müllverbrennung
ist PVC, das sich äußerlich nicht von anderen Kunststoffsorten
unterscheidet. Wichtig erscheint also die sorgfältige Vor-Sortierung
des Mülls aus der grünen Tonne durch alle Haushalte.
Aber: Wer kann dabei dauerhaft über den genauen Inhalt des
Brennmaterials zuverlässige Auskunft geben?
Eine Aufgabe kritischer Bürger liegt also in der Forderung
und Durchsetzung von strikten Kontrollen bei der Sortierung sowie
der regelmäßigen Analyse von Stichproben des zugeführten
Brennmaterials.
Dioxine und Furane
sind noch längst nicht das einzige Problem. Ein anderes sind
Schwermetalle, die im Gegesatz zu den schwer zerstörbaren
Dioxinen und Furanen unzerstörbar sind.
In einer Müllverbrennung können trotz aller Sorgfalt
Schwermetallverbindungen, angefangen von Quecksilber, über
Blei, Cadmium, Chrom usw. in konzentrierten Feinstaub verwandelt
werden. Dieser wird nur bis zu einer bestimmten Grösse gefiltert
bzw. meßtechnisch erfaßt.
Der feinste Staub, der sogenannte "Feinststaub" (PM
2,5), bleibt selbst von modernsten Filtern unberührt und
läuft an den Fühlern der Meßgeräte unbemerkt
vorbei.
Noch unangenehmer ist, daß er sich zusammen mit Wasserdampf
und Schwefeldioxid oder Salzsäure, die ebenfalls emittiert
werden zu aggressiven Tröpfchen verbident, sogenannten Aerosolen,
die besonders tief in die Lunge eindringt und dort eine ganze
Palette von Schäden anrichten können.
Normaler Feinstaub (PM10) kann dann durch Filter "durchrutschen"
wenn diese, mitunter auch aus Kostengründen, schlecht
oder falsch gewartet werden.
Die Wirkungsweise dieser Schwermetalle ist,
sobald sie in die Nahrungskette gelangen, ähnlich zu den
Dioxinen und Furanen. Sie neigen dazu sich in der Nahrungskette
anzureichern. Die Toleranzschwellen bis zum Ausbruch einer Krankheit
sind von Mensch zu Mensch verschieden, daher ist es schwierig,
eine Belastung eindeutig und vor allem rechtzeitig zu erkennen.
Das wohl bekannteste Beispiel einer extremen industriellen Schwermetallvergiftung
ist Minmata,
Japan.

Das Bewußtsein zur Vermeidung von Krebs durch Chemikalien hinkt noch hinter dem Bewußtsein zur Vermeidung von Ansteckungen durch biologische Erreger her.
Ein namhaftes Beispiel ist Talk, Hauptbestandteil von Babypuder, das eingeatmet heute beispielsweise als Erreger von Krebs der Ovarien gilt.
Ausgezeichnete Information zu Toxizität von alltäglichen Lebensmittelzusatzstoffen und vieles mehr bietet www.gifte.de
Hier eine Liste von Stoffen, die in gängigen Kosmetikas bis hin zu Kindernahrung als Zusatzstoffe verwendet werden (die Namen der Chemikalien sind meist auf Englisch auf den Packungsbeilagen zu finden) und die als krankheitserregend, teilweise sogar sls krebsverdächtig gelten, auf Englisch.
Hier noch eine umfangreiche Liste (als PDF file) aller als mehr oder wenig schädlich bekannten Substanzen, denen ein Konsument, teilweise ohne sein Wissen, im Haushalt ausgesetzt sein kann, auf Amerikanisch.
Um die "Spaßbremse" noch zu verstärken, möchten wir noch auf auf die fast schon allgegenwärtigen Transfette aufmerksam machen.
Umwelbundesamt Österreich: Reduktion der Lebenserwartung durch Feinstaub
Die Studie des Umweltbundesamtes im vollen Wortlaut
3Sat: Müllverbrennung erhöht Krebsrisiko
www.wissenschaft.de: Müllverbrennung macht krank
