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N.Ö/Süd, Morgen, vom 24.01.2006, pg. 10
(Transkript unter Zeitungsausschnitt)

"Kaum jemand will einen Dialog"
"Man spricht von Mülltourismus
und meint das Florianiprinzip." Harald Ganster, Geschäftsführer
der Papierfabrik Hamburger ist mit dem Verlauf der Diskussion
zur geplanten Müllverbrennung nicht zufrieden. Trotz Einbindung
der Bürger sieht er rund um das 25-Millionen-Euro-Projekt
einen "Riesenwirbel".
Für die Firma ist die Sachlage klar: "Die Papierindustrie
ist sehr energieintensiv bei den Kosten", so Ganster. Alleine
im Vorjahr stiegen die Ausgaben, so Werksleiter Werner Ofenböck,
um 18 Prozent. Auch an anderen Standorten der Hamburger sind aus
diesem Grund ähnliche Projekte geplant. Mit der durch die
Verbrennung gewonnene Energie würde man sich etwa 10 bis
15 Millionen m Erdgas pro Jahr ersparen. Auch müssen jetzt
20.000 Tonnen Kunststoffreststoffe, die aus Altpapier gefiltert
werden, teuer zur Verbrennung geführt werden.
Mit einer regionalen Anlage könnte man diesen Anforderungen
gerecht werden. "Wir stellen einen soliden Golf her",
veranschaulicht Projektleiter Johann Winkler die Dimensionen.
Verbrannt sollen jährlich 45.000 Tonnen werden (Dürnrohr:
300.000 Tonnen), was eine Umweltverträglichkeitsprüfung
nötig macht. Außerdem verweist man auf ständige
Emissionskontrollen in der Firma.
Das künftige Verkehrsaufkommen sei "verkehrsneutral".
Verbrennt man am Standort, fallen 3,8 Lkw pro Liefertag (250 im
Jahr) weg, mit Anlieferung von Betriebsmitteln oder Müll
durch die Grüne Tonne kämen wieder 5,2 hinzu. Pro Liefertag
wären es um 1,4 Lkw mehr.
BÜRGERBEIRAT Die Arbeit mit dem Bürgerbeirat
hatte man sich in der Fabrik einfacher vorgestellt: "Das
brennt in Hirschwang seit einem Jahr, wir machen es besser und
haben einen Riesenwirbel", ist Ganster enttäuscht. Zum
Bürgerbeirat: "Dort sitzt kaum jemand, der einen Dialog
will." Und auch Ofenböck ortet dort eine "Verhinderungspolitik".
Ganster will weiter auf Dialog setzen, nur: "Partnerschaft
ist keine Einbahnstraße." Und Winkler setzt hinzu:
"Die Hamburgber streckt seine Hand weit aus. Wenn darauf
gehaut wird mit dem Stock, wird man sie einziehen."
Susanne Kohn
