
Region
1) Gutachten Umweltverträglichkeitsanalyse zur projektierten Werkserweiterung der W. Hamburger AG-Pitten NÖ im Juli 1991; Zitat:
Nicht ganz einen Kilomenter im Westen vom
Standort der Papierfabrik entfernt beginnt das ausgedehnte, insgesamt
980ha große Landschaftsschutzgebiet "Seebenstein
- Scheiblingkirchen - Thernberg", das einen Großteil
des Gemeindegebietes von Seebenstein umfaßt. [...]
Ein großer Teil dieses Landschaftsschutzgebietes ist darüberhinaus
durch Verordnung des Landesregierung zum Naturpark erklärt.
Naturparks sind laut § 8 NÖ Naturschutzgesetz
(LGBl. Nr. 3/1977) Gebiete, die für die Erholung und für
die Vermittlung von Wissen über die Natur besonders geeignet,
allgemein zugänglich sind und durch entsprechende Einrichtungen
eine Begegnung des Menschen mit dem geschützten Naturgut
ermöglichen.
Der 352 ha große Naturpark Seebenstein umfaßt
den gesamten Schloßberg und das Erholungsgebiet der Gemeinde
Seebenstein.
Unmittelbar im Süden an diesen Naturpark angrenzend, jedoch
schon auf dem Gemeindegebiet von Scheiblingkirchen-Thernberg befindet
sich der 87 ha große Naturpark Türkensturz."

2) Man muß
möglicherweise die Gedanken ein wenig weiter fassen.
Wir befinden uns mitten im überregionalen Projekt Bucklige
Welt, das in seiner Gesamtheit definitiv mehr Menschen einbezieht
und Arbeitsplätze schaffen kann als es eine Müllverbrennung
in Pitten (6 Arbeitsplätze) jemals tun wird.
Die Bucklige Welt wird oft auch ein touristischer Rohdiamant genannt,
die innerhalb der EU eine einzigartige, schützenswerte, förderungswürdige
und ausbaufähige Region ist.
Eine Müllverbrennung hingegen, egal wie man prinzipiell zu
ihr steht, scheint sich eher für einen landschaftlich nicht
reizvollen, nicht andersartig ausbaufähigen Industriestandort
mit zentralen Verkehrsanbindungen zu eignen.
Eine Müllverbrennung in Pitten und Seebenstein, beides Gemeinden,
die sich glamourös "Das Tor zur Buckligen Welt"
nennen, steht damit in einem Gegensatz zu den wahren Entwicklungsmöglichkeiten
der gesamten Region.
Die erste Frage wird also sein, ob es das überregionale Wirtschafts-
und Kultur-Projekt "Bucklige Welt" Wert ist, im Schatten
des Schornsteins einer Müllverbrennung zu stehen.
Und: Ist Müll aus dem industriellen
Städten des Bezirks Neunkirchen, die gar nicht zur Buckligen
Welt gehören, nicht auch schon Mülltourismus?
Zurück zum eingangs erwähnten Gutachten der Hamburger AG 1991. Zitat:
Durchschnitt Verkehr war 1991 53 LKW's pro
Tag.
Zitat aus dem Gutachten: "Nach eigener Auffassung ist die
derzeitige Fühung des werksbedingten LKW-Verkehres durch
die relativ engen Ortskerne von Seebenstein/Schiltern und Pitten
und die damit verbundene Lärm- und Abgasbelastung schon
jetzt als einigermaßen problematisch einzustufen. Eine
etwaige, im Zuge der geplanten Produktionserweiterung zu erwartende
Zunahme des LKW-Verkehrs auf den bisher in Anspruch genommenen
Routen erscheint nicht mehr vertretbar und sollte durch entsprechende
Maßnahmen (z.B. zunehmende Verlagerung von der Straße
auf die Schiene) vermieden werden.
Damals waren es 53 LKW's pro Tag. Heute sind es bis zu 200.
Immissionen

Der an das Betriebsgelände heranreichende und relativ steil ansteigende Hang des Weißjackl (576m) "wird bei der immissionsseitigen Beurteilung eine wesentliche Rolle spielen, da durch die topografischen Gegebenheiten, verbunden mit der Lage des Betriebens und der vorherrschenden Hauptwindrichtung (West, Nordwest, Südwest) - hinsichtlich der Luftemissionen - eine sogenannte "Prallhangsituation" - entsteht. " (Zitat Gutachten)
Obwohl im damaligen Gutachten eindeutig verankert, wurden und werden diese Erkenntnisse ignoriert, am Weißjackl befindet sich zwischen strategischen Abholzungen gerade noch ein Bioindikationsbaum der Landesregierung (Baum 2c), der aber durch Insektenbefall teilweise ausgefallen ist. Für die neue Einreichung werden keine weiteren Immissionen am Weißjackl gemessen, der neu dazugekommene Meß-Container liegt gut geschützt vom Prallhang im Wald verborgen, eine exponierte Prallhangsituation wird, obwohl in alten Gutachten nahegelegt, vermieden.
Schlägerungen geschwächter und
in weiterer Folge geschädigter Bestände ohne vorhergehender
Analyse wie auf dem Schloßberg und im Kreithtal (beim Friedhof
Pitten) verwischen mögliche Spuren, die einer Beweisaufnahme
dienen könnten.
Erholung und Fremdenverkehr
Zitat aus dem Gutachten: 
"Eine Beurteilung der Fremdenverkehrsstruktur beschreibt
für beide Gemeinden im Untersuchungsgebiet, sowohl landschaftlich
wie bioklimatisch, als auch von den strukturellen Entwicklungschancen
her, günstige Voraussetzungen für Erholungs- und Fremdenverkehrsfunktionen.
[...]
Beide Gemeinden haben eine lange Tradition als (ehemals) beliebte Erholungsorte. [...]
Ebenfalls beide Gemeinden sind als ausgeprägte
Zweitwohnsitz-Standorte zu charakterisieren."
"In einem engeren Einzugsbereich von 1,5 km um den Emittenten
wohnen zur Zeit knapp 2.600 Personen. In einem weiteren Einzugsbereich
von 2-2,5 km liegt dann auch die Ortschaft Seebenstein. Die Zahl
der betroffenen Personen, die ständig in diesem Einzugsbereich
lebt, beläuft auf ca. 3.400. In diesen Zahlen sind Zweitwohnsitze
noch nicht berücksichtigt."
In Seebenstein waren rund ein Drittel der
Bevölkerung zweitgemeldet, in Pitten ein Viertel.
Rechnet man Zweitwohnsitze hinzu, waren es 1991 schon 4.600 Personen
im nahen Umfeld.
Die damals angesuchte Produktion war insgesamt 220.000 t Wellpapperohpapier.
Heute ist es mehr als das doppelte.
Eine vergleichbare und im übrigen erfolgreiche österreichische
Initiative war Steyrtal, Molln.
Die einstimmigen Resolutionen
des Gemeinderates bezogen sich unter anderem auf das überregionale
Projekt eines Nationalparks.
Zitate aus:
Umweltverträglichkeitsanalyse W. Hamburger AG - Pitten/NÖ
Raumplanung
DI Brigitta Brezina
DI Karl Ceron
ARGE Umweltbegutachtung-Umweltsanierung/Wien 1991
