Johann Winkler, Projektleiter Ersatzbrennstoffnutzung der Hamburger-Mosburger-Dunapack-Gruppe
(HMD-Gruppe) Standort Pitten schreibt in der gleichen "aufgerollt"
12 2006
"25 Millionen Euro Investition in die Zukunft"
"Wie in der Frühjahresausgabe von «Aufgerollt» angekündigt beschäftigt sich das Unternehmen Hamburger derzeit intensiv mit einem Projekt zur Ersatzbrennstoffnutzung."
Gemeint ist damit die weniger schön klingende Müllverbrennung.
Diese Müllverbrennung "bietet die einmalige Chance, sowohl die Zielsetzung einer wirtschaftlich sinnvollen und notwendigen Investition als auch die einer konkreten Umweltverbesserung zu verbinden."
Dies widerspricht möglicherweise den vom Konzern herausgegebenen projektierten Emissionswerten.
"Nur neue Investitionen bringen Verbesserungen."
Man könnte an dieser Stelle weltweit
unendlich viele Beispiele aus der Industrie anführen, die
diesen Satz fragwürdig erscheinen liessen, doch ist mit "Verbesserungen"
wahrscheinlich die "Kostenstruktur" der Hamburger-Mosburger-Dunapack-Gruppe
gemeint.
Insoweit ist die Aussage unwiderlegbar richtig.
"Stillstand hilft niemanden. Weder dem Unternehmen, noch der Umwelt und auch nicht jenen, die von sicheren Arbeitsplätzen oder Kommunalsteuern profitieren wollen."
Ob dies die altbekannte Formel darstellen
soll: Wer dagegen ist, ist auch gegen sichere Arbeitsplätze
- das kann man daraus weder mit Sicherheit herauslesen noch absolut
dementieren.
Halten wir fest - es wurde hiermit in den Raum gestellt , unabhängig
von derzeitigen (bewundernswerten) Erfolgszahlen des Konzerns.
Es widerspricht auch der Aussage von Werksleiter Werner Ofenböck, der im Editorial der selben Ausgabe davon spricht, daß der Standort Pitten qualitativ und quantitativ in europäischen Spitzenfeld liege, daß man aber bemüht sei, in Zukunft auch bei der "Kostenstruktur einen Spitzenplatz in Europa einzunehmen", sprich: billiger zu produzieren als in Rumänien, in Bulgarien, in Ungarn, in Kroatien, in der Ukraine und in Polen, um nur einige der anderen Standorte der Hamburger-Mosburger-Dunapack-Gruppe zu nennen.

"Bereits 1991 - lange bevor es ein
Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-G) gab
- führte unser Unternehmen im Zuge des Projekts Faserschlamm-Mitverbrennung
eine Umweltverträglichkeitsanalyse unter Einbeziehung der
Anrainer durch."
Eine andere Version ist hier nachzulesen.
"Es soll eine maßgeschneiderte
Anlage nach dem letzten Stand der Luftreinhaltetechnik entstehen.
Dazu wird mit erfahrenen und renommierten Planern zusammengearbeitet"
- die Planer wurden am 10.1. 2006 erstmals offiziell genannt.
Es handelt sich unter anderem um die VERBUNDPLAN, in der
Pittner Bürgermeister
Dr. Moraw Managing Director of Marketing and Engeneering ist.
Mehr dazu im "aktuellen Stand in Pitten" oder in der
Presse.
"Natürlich erfordert ein derartiges
Projektvorhaben Transparenz und Kommunikation."
Bis Ende 2005 war noch nicht klar, was der Konzern am Standort
Pitten im Detail wirklich plant.
Augenblicklich ist unklar, nach welchem Behördenverfahren
die Hamburger Gruppe ansuchen wird, es existiert im österr.
Recht ein unübersichtlicher Dschungel an möglichen Verfahrensstrategien.
"Das Unternehmen Hamburger bekennt sich zu einer verbindlichen und ausgewogenen Bürgerbeteiligung schon im Vorfeld der Behördeverfahren. Von Beginn an sollen die beteiligten Interessenvertreter, insbesondere der Standortgemeinden Pitten und Seebenstein, die Planungen begleiten und ihre Fragen und Anliegen effizient in Rahmen eines freiwilligen Bürgerbeteiligungssystems einbringen können."
Dieses "freiwillige Bürgerbeteiligungssystem" ist eines der Erfordernisse einer Umweltverträglichkeitsprüfung, ohne Bürgerbeiteiligung ist es schwierig ein Projekt dieser Art bewilligt zu bekommen. Ein Bürgerbeirat hat innerhalb des behördlichen Bewilligungsverfahrens keine rechtliche Stellung und kann jederzeit übergangen werden kann, sollte es aus Sicht der HMD-Gruppe notwendig sein. Die ignorierten Proteste der Bevölkerung beim Bau der MVA Niklasdorf (Brigl & Bergmeister) geben einen Vorgeschmack.
"Der Aufbau und die organisatorische Durchführung soll durch erfahrene Experten unterstützt werden."
Die Hamburger-Mosburger-Dunapack-Gruppe hat Dr. Helmut Retzl und sein gleichnamiges "Institut für Gemeindeforschung & Unternehmensberatung" beauftragt, die Kommunikation zur Gemeinde in eine geeignete Richtung zu steuern.
Der Bürgerbeirat wird die Erarbeitung des Einreichprojektes (Umweltverträglichkeitserklärung), die Abwicklung des Behördenverfahrens (Umweltverträglichkeitsprüfung) sowie die Umsetzung und Kontrolle von getroffenen Vereinbarungen nach einer Inbetriebnahme der Anlage begleiten."
Ein Bürgerbeirat hilft die Bildung einer Bürgerinitiative zu vermeiden, nach dem Motto - wozu eine Initiative, wenn es doch schon den Bürgerbeirat gibt, der sich um alles kümmert?
"Die geplante Ersatzbrennstoffanlage ist eine mit modernster Technik und höchsten Umweltstandards ausgestattete Anlage zur Verwertung heizwertreicher Restfraktionen.

Die Vorteile auf einen Blick:
° 25 Mio- Investition zur Modernisierung und Standortsicherung.
Der Standort Pitten ist nicht in Gefahr, mit einer der modernsten Papiermaschinen Europas fährt er derzeit Gewinne ein. Die 25 Mio. ¤ sollen sich in 5 Jahren amortisieren, es ist ein gutes Geschäft, (gegen das niemand etwas hat, höchstens gegen mögliche Auswirkungen auf die Umwelt.)
° Zukunftsbeständige, kostengünstige und flexible Lösung entsprechend den gesetzlichen Rahmenbedingungen (Deponieverodnung)
Zukunftsbeständig: Die einzige Lösung der Müllverbrennungsproblematik ist die Müllvermeidung.
Kostengünstig: Bis jetzt galten Anlagen in der von der HMDG-Gruppe bekanntgegebenen Dimension als unrentabel weil zu klein dimensioniert. Heißt das, daß die Anlage im nächsten Schritt ausgebaut werden soll oder gar muß?
Die ursprünglich geplante Anlage, die am Widerstand der Pittner Bürger gescheitert ist, hätte beispielsweise einen guten Teil des Mülls aus dem Wiener Becken verbrennen sollen (Rinterzelt)
Noch einmal kostengünstig: Widerspricht
sich das nicht mit dem Anspruch modernste Technik und höchste
Umweltstandards?
Diese sind nämlich enorm teuer. Kostengünstige Varianten
können nur unter Einhaltung der großzügigen Emissiongrenzwerte
erstellt werden, BAT (Best Available Technology
= Beste Aller Technologien) ist es dann aber
nicht.
° Absicherung einer kostengünstigen Abfallentsorgung für die Gemeinden des Bezirks Neunkirchen durch Kooperation der "Grünen Tonne" mit W. Hamburger
Wird Müll als Energierohstoff für
ein kommerzielles Unternehmen verwendet und dient ihm zur Kostenreduktion,
müßte entsprechend dieses Punktes eigentlich über
einen Abnahmepreis des Rohstoffes Müll mit den Haushalten
verhandelt werden. Man darf aber davon ausgehen, daß der
Preis für die Haushalte steigen wird, da zusätzliche
Sortierungen anfallen werden, die der Verbraucher tragen wird.
Anm.: Dies ist in der Aussendung von Bürgermeister Moraw
am 11.1.2006 passiert!
° Nachhaltige, umweltverträgliche Abfallbehandlung für die Region.
Umweltverträglich: In der Verbrennung von Müll entstehen Verbrennungsrückstände und Feinststaub, der mit dem Wort "umweltverträglich" möglicherweise unvereinbar ist.
Nachhaltig: Ausgeschiedener toxischer Feinststaub kann das Grundwasser, die Pflanzenwelt, die Lungen und das menschliche Erbgut schädigen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
° Ressourcen schonende Verwertung des energiereichen Reststoffes aus der Altpapieraufbereitung als Ersatzbrennstoff anstelle fossiler Energieträger.
Dies ist zum Teil ohnehin schon der Fall,. Die Verbrennung von Rückständen aus der Papiergewinnung deckt einen hohen Anteil des Energieverbrauchs von Papierfabriken. Hinzu kommen sollen nun möglicherweise PVC- und Schwermetall- hältige Reststoffe, die in der Verbrennung Dioxine, Furane, wasserlösliche und damit hochgiftige Schwermetallverbindungen und weiters noch nicht hinlänglich erforschte Stoffe entstehen lassen. Nicht erforschte Stoffe werden selbstverständlich auch nicht in Labors erfaßt und scheinen in keinem Grenzwertkatalog auf.
° Keine zusätzliche Verkehrsbelastung.
Dieser Punkt ist schwierig zu vereinbaren mit den derzeit bekannt gegebenen 15.000 Tonnen aus der Grünen Tonne und den 7.000 Tonnen Reservekapazität. Hinzu kommen noch laut der dieser Technik zugrundeliegenden Literatur von vorsichtig geschätzten 7.000 Tonnen hochgiftiger Asche und Filterrückstände, die nur unter größter Vorsicht abtransportiert werden können.
Ein Unfall eines solchen Transportes müßte wegen seiner Giftigkeit von einer geschulten ABC-Schutzmannschaft (Atomar-Biologisch-Chemisch) geräumt werden.
Die derzeit von der HMDG-Gruppe bekanntgegebene Zusammensetzung der Ersatzbrennstoffe beträgt:
|
Reststoffe aus der Altpapiererzeugung (PVC hältig) |
20.000 t |
| Grüne Tonne | 15.000 t |
| Restfaser | 3.000 t |
| Reservekapazität (Unternehmen, Region) | 7.000 t |
