Dass die hier so freundlich lächelnden Jörg Haider und Thomas Prinzhorn jahrelang Schulter an Schulter für mehr Freiheit, Demokratieverständnis arbeiten und auch laut Eigenauskunft die Frage von Reparationszahlungen für vertriebene Juden, Roma und Sinti in Österreich endgültig gelöst haben, ist bekannt.

Weniger bekannt dürfte aber sein, dass sich die beiden, obwohl aus denkbar unterschiedlichem Milieu stammend, quasi schon aus der Kinderstube kennen.

So hat beispielsweise Herbert Prinzorn, der Vater von Thomas Prinzhorn, das politische Talent des späteren Kärtner Landeshauptmann und Besitzer des arisierten Bärentals schon in dessen Schulzeit erkannt und unterstützt: So hat der Industrielle dem damaligen politischen Greenhorn Unterstützung für dessen Zeitung "Tangente" gewährt, in der Haider gegen die damalige FPÖ-Führung Stellung bezogen hat - einige Zeit später sollte Haider selbst die Fühung übernehmen.

Auf die Frage, was für ein Motiv der niederösterreichische Großindustrielle Prinzhorn haben könne, einen Kärntner Gymnasiasten namens Haider zu unterstützen, gab dieser später immer an, dass es sich um ein Familiengeheimnis handle. Woher kannten sie die beiden Familien?

Eine mögliche Antwort ist, dass Haiders Vater Robert 1933 als SA-Mann bei einer Schmieraktion erwischt worden, heute würde man sagen: Er war Sprayer, aber nicht künstlerisch sondern politisch, nicht links sondern extrem rechts. Haider konnte fliehen und in Bayern der Österreichischen Legion beitreten, eine Gruppe von österreichischen NSDAP Mitgliedern, die in Österreich zu dieser Zeit noch verboten war. In dieser Funktion war Haider 1934 auch am gescheiterten Nazi Putsch gegen Österreich beteiligt. Gemäss den Akten des Dokumentatonszentrum des österreichischen Widerstands überfiel die "österreichische Legion" im Juli Grenz- und Gendarmerieposten in Kollerschlag. Die Nationalsozialisten erschossen dabei den Gendarmerie-Revierinspektor Richard Hölzl auf offener Straße. Revierinspektor Hölzl wollte seinen überfallenen Kollegen der österreichischen Gendarmerie zu Hilfe eilen.
Einige Jahre später, nach der gelungenen Machtübernahme, wurde Haider der sogenannte Blutorden verliehen.
In weiterer Folge wurde Haider Gaujugendwalter der Deutschen Arbeitsfront in Linz. Nach der Befreiung Österreichs wurde er von den Behörden als "minderbelastet" eingestuft.

Auch die Familie des Hamburger Konzerns war am Juliputsch beteiligt.
Ing. Fritz Hamburger, laut eigener Angabe Gründer des Bundes der Industriellen (einem Vorläufer der heutigen Industriellenvereinigung), war ebenfalls SA-Mann und direkt in Wien am Versuch beteiligt, die österreichische Regierung zu stürzen.
Eine der Hauptursachen für das Scheitern des Putsches war trotz der erfolgreichen Ermordung des Bundeskanzlers ein tödlicher interner Konkurrenzkampf zwischen der SA und der SS.

Im Zuge des gescheiterten ersten Umsturzes der Nazis im Juli 1934 kam es zu folgender Todesbilanz: 111 "Aufständische", 101 Getötete auf Regierungsseite und 11 "Unbeteiligte".
Von den 223 Todesopfern entfallen 96 auf die Steiermark und 81 auf Kärnten, der Rest kam in Wien ums Leben.

Ing. Fritz Hamburger wurde vom österreichischen Ständestaat zu lebenslangem Kerker verurteilt.
Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurde er selbstverständlich in Ehren entlassen.
Er erhielt am 30.April 1941 wie Haider den Blutorden.

"Es ist falsch, Menschen nach der Geschichte ihrer Familien zu beurteilen.
Wir tragen keine Verantwortung an dem, was unsere Vorfahren getan oder unterlassen haben.
Es ist unsere eigene Haltung zur Vergangenheit, die uns zu dem macht, was wir sind."
Montaigne

 

 

 

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