Niederschrift betr. Denunziation der NS-Putschplaner durch die österreichische SA-Führung (= Beilage 2 zum Bericht von Rudolf Weydenhammer)
Anwesend: Herr Hofrat Viktor Sauer, Wien
XIII, Astgasse 4, Herr Rittmeister Leopold Schaller, Wien XIII,
Maxinggasse 30, Herr Dr.Hans Mann, Rechtsanwalt, Wien XIII, Hadikgasse
58a.
Es wird festgestellt, dass Herr Rittmeister Leopold Schaller in
der Kanzlei Dr. Hans Mann, in Begleitung des Herrn Hofrates Viktor
Sauer erscheint und dort frei von jedem Zwang, jeder Drohung oder
dergleichen aus Eigenem, zum Zwecke der Klarstellung, eidesstättlich
Folgendes angibt:
Meine mir vorgewiesene
Aussage im Prozess Hamburger entspricht den Tatsachen insofern,
als ich die Information über den beabsichtigten Juliputsch
tatsächlich bei den dort genannten Stellen deponierte.
Im Mai 1934 befand ich mich in München.
Dortselbst hatte ich eine Unterredung mit Obergruppenführer
Reschny, Stabschef Kirchbach und Löwe-Langer in der Kanzlei
der Obergruppe. Anwesend war auch Obersturmbannführer Hamburger.
Bei dieser Unterredung wurde festgestellt, dass der militärische
Sturmbann der SA in die SS durch Fridolin Glass übergeleitet
wurde und dass mit Hilfe dieses Sturmbannes Dr. Wächter und
Dr. Weydenhammer vorprellen wollen, sodass bei einer Machtergreifung
in Österreich die SA in die zweite Linie gestellt wäre.
Es wurde dieses Vorgehen als unfair und bedauerlich abgelehnt
und bezeichnet. Es wurde ausdrücklich davon gesprochen, dass
bei Gelingen dieser Sache die SS und die PO in Österreich
in starkem Vorsprung wären. Nach einigen Tagen jedoch, noch
während desselben Aufenthaltes in München, erschien
in meinem Zimmer im Hotel "Grünwald"
Ing. Hamburger und erklärte mir wörtlich: "Leopold,
jetzt wirst Du etwas zu tun bekommen!"
"Wächter und ich treffen dann auf der Straße, wieder in Richtung Bundeskanzleramt gehend, den Führer der SA-Untergruppe Band. Wir besprechen kurz die Einsatzmöglichkeit der SA und Wächter begibt sich sofort zur SA-Führung, wo er Brigadeführer Türk, Graf Hardegg, Dachs, Hamburger (s. Anl. 2) und andere SA-Chargen trifft. Wächter empfiehlt sofortigen Einsatz und Marsch zum Bundeskanzleramt, was versprochen, aber nie getan wurde. Ich treffe noch in der Nähe des Bundeskanzleramtes den Stabschef im Stadtkommando Major Ecke. Er erklärt mir, dass sie sofort bei Beginn der Aktion von der Verhaftung des Sturmbannführers Glass unterrichtet worden seien, ferner davon Kenntnis erhielten, dass die Minister fluchtartig auseinandergegangen waren und Schuschnigg mit Staatssekretär General Zehner bei Beginn der Aktion im Heeresministerium anwesend war. Auf das hin sei eine Alarmierung der Truppe und Bestellung der höheren Führer ins Stadtkommando für aussichtslos gehalten worden. Erst viel später habe man vom Eindringen ins Bundeskanzleramt von Dritten gehört die ausgemachte telefonische Verständigung sei von dort nicht erfolgt.
