http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/154196/index.do
25.10.2000
NS-Sammelklage: Auch Prinzhorn
steht drinnen
Prinzhorns Konzern wird als Beispiel
für ein "arisiertes" Unternehmen genannt
von Margarete Endl

Wien. Paukenschlag für die am Dienstagabend begonnenen Verhandlungen
über "Arisierungs"-Entschädigung: Der Zweite
Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn ist in einer neuen
Sammelklage von Zwangsarbeitern und Arisierungsopfern namentlich
erwähnt - als Beispiel für Arisierungen. Wörtlich
heisst es in der Klagsschrift, die am vergangenen Freitag bei
einem New Yorker Gericht eingereicht wurde: "Beispielsweise
kam das Unternehmen W. Hamburger, das im Eigentum einer jüdischen
Familie stand, durch Arisierung in den Besitz des Grossvaters
von Thomas Prinzhorn - einem der drei Präsidenten des österreichischen
Parlaments."
"W. Hamburger steht seit 1853 im Familienbesitz", widerspricht
Prinzhorns Bürochefin Barbara Kappel. "Prinzhorns Onkel
Walter Reinthaller hat 1938 eine Hülsenfabrik in Neunkirchen
von seinen jüdischen Geschäftspartnern erworben, die
nach dem Anschluss fliehen mussten. Der Betrieb wurde durch Bomben
zerstört. Nach 1945 erfolgte ein Restitutionsverfahren, und
W. Hamburger leistete Entschädigung an die Vorbesitzer."
Bei den heutigen Entschädigungsverhandlungen geht es darum,
dass die Republik Österreich nach 1945 nur zögerliche,
lückenhafte und ungenügende Restitution oder Entschädigung
für das geraubte Vermögen geleistet hat.
